Rezensionen

Gunnar Spardel, Mastermind von Tigerforest beglückt uns immer wieder mit hochkarätigen Veröffentlichungen. Auch sein neueste Werk bildet keine Ausnahme und vollführt den gekonnten Spagat zwischen eigener Stillistik und Schilleresker Musik, die einen über das gesamte Album im ewigen Glücksmoment -Modus verweilen lässt. Vorrausgesetzt man mag die Symbiose vokaler Träumereien und Syntheticals die selbst der Großmeister des Genres nicht besser hinbekommt. Der Sound ist top, die Klangteppiche voluminös und das Produktionslevel extrem hoch. Warum ist Tigerforest bisher noch nicht so richtig abgegangen? Vielleicht liegst am Bandnamen oder vielleicht brauchts noch ein bisschen mehr Marketing oder vielleicht doch mal mit Namedropping versuchen? Uns ist es egal, hauptsache es kommen immer so gute Nummern heraus. Irgendwann klappts dann auch mit dem ersten richtigen Charterfolg. Verdient wäre es!

http://www.tigerforest-music.com/

Stefan Erbe

 

Wäre nicht ganz seine Wellenlänge, ob ich nicht eine Rezension davon machen wollte, schreibt Stefan (Erbe).  Warum nicht, reinhören sollte man immer mal, nicht ohne Grund hat der Autor dieser Zeilen mal gesagt, der Kopf wäre rund, damit man in alle Richtungen gleich gut denken kann.

Und Stoff zum Nachdenken gibt dieses Album reichlich.  Uwe Cremer und Thomas Rydell bieten hier keinen Stoff zum 'nebenbei hören', dazu ist das Werk zu kompliziert und vielschichtig.  Stilistisch tue ich mich schwer, es einzuordnen, natürlich ist Elektronik dabei, aber auch viel Prog-Rock und Gitarre, und die eine oder andere orchestrale Einlage.  Bei jedem Hören findet man etwas neues, es ist definitiv eines jener Alben, denen man auch eine zweite, dritte oder vierte Chance geben muss.

Wie der Name schon sagt, steht die Zeit als Thema über allen Titeln, und wie sie unser heutiges Leben bestimmt: Sei es als der Wecker, der uns morgens unsanft weckt, als Zeitnot, unter der wir durch den Tag hetzen, aber auch als Vergangenheit mit vielen schönen Erinnerungen.  Solche Gefühle und Emotionen bildet die Musik auf diesem Album für mich ab, eben mal schroff und mal sanft.  Und während man beim Hören so seine eigenen Assoziationen hat, bietet sich die Gelegenheit, mal über das eigene Verhältnis zur Zeit nachzudenken.

Alfred Arnold

Es gab eine Menge guter und weniger guter Alben in den vergangenen Monaten zu hören, das hier besprochene gehört aber definitiv in die erste Kategorie. Jens H-Kruhl alias Wiesenberg schüttet in seinem Debüt-Silberling die ganze Breite seiner musikalischen Optionen aus und zeigt, dass es eine gute Idee ist, nicht nur auf einem EM-Genre zu verweilen. Auch wenn hier alte und neue Tracks zusammengefunden haben, so erfreut uns die Detailverliebtheit und die Bereitschaft auch über den üblichen Tellerrand hinauszuschauen. Sein Sound ist eigenständig, auch wenn sich hier und da ein paar bekannte Pionier-Schubladen öffnen. Eigentlich verrät uns nur das Artwork der CD, dass es sich um das Erstlingswerk handelt und man (zunächst erstmal) viel Wert auf Inhalte gelegt hat. Besser so als anders herum! Gelungerer Start.

Stefan Erbe 

Langweilig wird es bei Stefan Erbe nie: Neben seinem Projekt mit Steve Baltes schafft er es auch immer noch, ein Soloalbum pro Jahr herauszubringen, und nie ist eines dieser Alben eine einfache Fortsetzung seines Vorgängers - Abwechslung ist angesagt.

Auf seinem neuesten Werk sind die Kompositionen Claude Debussys das Thema, bzw.  ihre Erbe'schen Interpretationen.  Ein mutiges Projekt, haben sich doch schon ganz andere Größen der EM an diesem Stoff versucht.  Ob dieser Versuch gelungen ist?  Ich meine ja!  'selectronique debussy' ist ein Album, das die klassischen Originale in ihrem Kern intakt lässt, aber gleichzeitig auch ein waschechtes Erbe-Album.  Es transponiert die Vorbilder auf den 'typischen' Erbe-Sound mit seinen Piano-Klängen und setzt dabei eigene Akzente.

Als was man es primär sieht, bleibt dem Hörer überlassen: Man kann der Musik ganz konzentriert zuhören und dabei seine Vergleiche anstellen, man muss es aber auch nicht.  Genauso gut kann man einfach einmal die Seele baumeln lassen und es einfach nur genießen.  Nur eines sollte man auf jeden Fall tun: reinhören!

Alfred Arnold

bml meeresgrundWenn Bernie Land ein neues Album präsentiert stellt sich immer die Frage, welches Equipment seines unglaublichen Fuhrparks hat er dieses mal genutzt. Nun, erstmalig ist auch realer Platikmüll als neuer Tonerzeuger implementiert worden, denn das Album besteht nicht nur aus endlos tiefen Ambientexponaten, sondern auch aus der tonalen Botschaft, sich als CD-Konsument mit der weltweiten Vermüllung zu beschäftigen. Dafür wurde tatsächlich der Klang des Platiks gesampelt und digital weiterverarbeitet.. Die Musik von BML ist hier dezent, teils beruhigend und bewusst beruhigt und lässt damit viel Platz zur eigenen Reflexion. Wer sich diesen Platz gönnt, wird sich auch nach einer Zeit in der Unterwasserwelt wiederfinden und die Schönheit der Meere vor Augen haben. Toll, wenn man zum Konzept des konsumierten Musikhörens, den eigenen Horizont zur Konsumreduzierung hinterfragen kann. Aber müssten wir jetzt nicht eigenlich eine Downloadversion von Meeregrund dem Hardware-Album vorziehen?

http://bernd-michael-land.com/

Stefan Erbe

bd yieldChristian Ahlers macht wieder mal (fast) alles richtig, denn sein neues Album wird wohl sicher viele Geschmäcker von Chill-to-Ambient-Musikfans treffen. Die Songauswahl der Tracks ist schick, kommerziell toll inzeniert und schmiegen sich (wohl auch gewollt) ein bisschen an die Elektronik-Welle, die Schillermacher van Deylen aktuell anschiebt. Ist aber auch nicht schlimm, denn Ahlers lässt noch genügend Platz für eine eigene Handschrift und verfällt dabei nicht komplett dem Copy-to-Known-Elements-Syndrom. Allerdings fehlen dem Rezenseur ein paar Hooklines der früheren Alben, die diese CD dann tatsächlich hätten perfekt gemacht. Soundauswahl, Klangdesign und das restliche Konzept überzeugen dennoch und werden den Longplayer sicher zum verdienten Erfolg führen. 

www.mellowjet.de

S
tefan Erbe

 

Bernd Scholl alias moonbooter ist immer eine zuverlässige Quelle für elektronische Musik hoher Qualität. Und auch seine neue Scheibe Cosmoharmonics reiht sich hier nahtlos ein. Bernds Kompositionen bieten ein abwechslungsreiches Angebot an audiblen Vergnüglichkeiten, ohne zu sehr vergangener goldener Zeiten hinterher zu trauern oder sich einer aktuell vorherrschenden Modeerscheinung anzubiedern. Der sich wohltuend absetzende Stil seiner Stücke hat sicherlich immer den moonbooter eigenen Klang, aber wird nie langweilig oder sich wiederholend. Cosmoharmonics bietet 10 solcher Kostbarkeiten, von lebendiger moderner Elektronik, über balladenartige Klaviaturspielereien bis hin zu sehr tanzbarer Musik. Mal leichter gewoben, mal eindringlich präsentiert, und von Grund auf harmonisch.

Bezug: MellowJet

Stefan Schulz

Vor über einem Jahr veröffentlichte Stephan Kaske unter seinem Projektnamen Mythos sein Album Jules Verne Forever, das mich hörlich beeindruckte. Nun ist der Nachfolger erschienen: Jules Verne - Around the World in 80 Minutes. Wie der Untertitel verrät, umfasst die Scheibe ca. 80 Minuten neue Musik aus Stephans Klangwerkstatt, diesmal gewidmet der Reise um die Welt. Und für den Hörer eine Reise in die absolut ungewöhnliche Elektronikwelt von Mythos. Einen richtigen Vergleich finde ich gar nicht, am ehesten noch gleicht das Album einer modernen Mischung aus Clara Mondshine und Software, verziert mit immer wieder überraschenden Klängen. Für mich das vermutlich einfallsreichste Album, dass ich in der letzten Zeit gehört habe, und vom Ideenreichtum her das wesentlich bessere "Jarre-Album" für 2016. Die Musik mag nicht jedem gefallen, denn es geht dabei nicht immer nur geradeaus. Für mich macht die teilweise Unberechenbarkeit aber den besonderen Reiz der musikalischen Reise in der Gedanken- und Fantasiewelt des Jules Verne aus. Chapeau!

Bezug: Groove Unlimited
Website: Mythos

Stefan Schulz