webzine archive

Kolumne: Die Wa(h)re Musik

Zugegeben das Musikbusiness ist hart und steinig. Wer hier etwas werden oder bleiben will, muss nicht nur viel Talent sondern auch kaufmännisches Geschick, viraler Manager und Elbogenbenutzer haben. Wer dann sogar noch hofft, dieses Metier als seinen Hauptbroterwerb zu betrachten, wird wahrscheinlich doppelt soviel Arbeiten wie der klassische „ninetofive-Jobber“.

Aber grundsätzlich gilt auch hier, wer was werden will (die 4 wichtigen „W“), oder noch besser, wer wirklich was werden will (Steigerungsstufe auf 5 „W“), sollte nicht auf die Idee kommen zu jammern, zu behaupten früher war alles besser oder Streaming mache die Musik kaputt. Es ist wie in ALLEN Branchen dieser nicht sozialistischen Welt, jeder ist seines Glückes Schmied, und auf die GEMA, die Lokalradios, die keine gute Musik spielen, und auf fehlende Käufer zu schimpfen, könnte wieder mal nur ein weiteres Alibi-Gemoser sein, dass auf die fehlenden Qualitäten des eigenen Schaffens hinweisen.

 

Musiker zu sein, ist je nach Umfang und Zielstellung, nichts anderes, als ein selbständiges Unternehmen zu leiten. Es ist wie der Frisör, der täglich um seine Kunden kämpft oder der Freelancer, der als Universal-Professioneller von Job zu Job pilgert, um irgendwann so viele Kunden zu haben, die eine Eröffnung der eigenen Werbeagentur rechtfertigen. Ein Musiker macht nichts anderes als ein One-Man-Unternehmen in der freien Marktwirtschaft, nämlich etwas herzustellen, es zu vermarkten und möglichst zahlreich zu verkaufen. Wer meint, dass es in der Musikbranche gerechter zugehen sollte als auf den übrigen Handelswegen, der irrt, denn sie unterscheidet sich nicht vom Angebot und Nachfrage-System des üblichen Geld-gegen-Ware-Prinzips.

Mir scheint aber, dass nur Künstler das Recht haben, sich über alles schonungslos beschweren zu dürfen und Institutionen wie Labels, Vertriebe sowie Marktgegebenheiten und Märkte im Allgemeinen die Schuldigen ihres nur noch jämmerlichen Ertrages sind. Niemals käme die Mehrheit auf die Idee, die Schuld bei sich selbst zu suchen und sich zu hinterfragen, ob es eigene Versäumnisse sein könnten, die zum reduzierten Erfolg führen. Wer sich nicht in die Abhängigkeit seiner vermeintlichen Partner begeben will, sollte die Begriffe autark und unabhängig nicht nur mal gelesen haben.

Die Musikbranche ist nicht die einzige, die über die vergangenen Jahre eine deutliche Veränderung erfahren hat, es gibt viele Beispiele über Strömungen und Tendenzen, die Unternehmer zwangen, sich und ihre Arbeit zu hinterfragen und daraus die richtigen Entscheidungen zu treffen. Musiker zu sein und damit sein Geld zu verdienen, ist keineswegs etwas anderes. Es ist die Ansammlung von Prozessen, die hoffentlich von Anfang bis Ende von hoher Qualität sind, denn nur dann stellt sich auch ein Erfolg ein. Die Zeiten, in denen man als „Pseudo-Angestellter“ einfach nur sein Album und seine Terminwünsche für die Live-Gigs ablieferte, sind schon lange vorbei. Das gilt im Übrigen auch für gute Zinsanlagen, 20 erstklassige Jobangebote, kostenlose Parkplätze und billige Mieten.

Wer Erfolgreich sein will, muss auch erfolgreich „handeln“ …

Stefan Erbe

(Foto: http://mrg.bz/DVqKFy)

Über Empulsiv

Empulsiv wurde 2011 als Webzine für (traditionelle) elektronische Musik gegründet. Es berichtete über ein Jahrzehnt von musikalischen Events und über Veröffentlichungen, präsentierte Interviews und Neuigkeiten aus der Szene. Ende 2022 wurde das Webzine eingestellt. Es wird nun als Infoportal mit Eventkalendar, Linksammlung und Archiv fortgeführt, so dass Neues sowies Vergangenes weiterhin gefunden werden kann.