Kolumne

749776 web R K B by twinlili pixelio.deNun, wenn der Kolumnist in den hiesigen Electro-Magazinen blättert, auf den üblichen Websites nach Tourdaten diverser massengemochter Lieblingsbands recherchiert und sich via Social-Media über die aktuellen Aktivitäten der Synthmusikmacher informiert, ist eines tatsächlich auffällig. Wir hängen sehr an dem was wir gestern, früher und damals geliebt haben und wollen es auch immer wieder sehen, hören und konsumieren.

Dennoch jammerschade, denn all dies präsentiert sich scheinbar nur noch als formvollendetes, glatt gebügeltes und nach Marktgegebenheiten konstruiertes Medienereignis und als Produkt, dass nur noch auf eines abzielen will, nämlich mit den letzten realistischen Möglichkeiten noch etwas Geld zu verdienen, solange, bis Musik weder als Medium noch als Kunst einen Wert besitzt. Dabei besteht der musikalische Inhalt nur noch aus einer Verpackung, aus der Geschichte drum herum, aus der Dokumentation zur Musik. Es ist der Besuch im Studio, das Interview und das Musik-TV-Video, was Aufmerksamkeit generiert. Doch wo ist der Rock ´n Roll?!


Wenn Jarre durch die Welt tingelt um mit einem schilleresken Name-Dropping seine nicht mehr existente Innovation fortzuführen, wenn die Roboter sich auf die Bühne stellen um die xte Wiederholung der Wiederholung aufzuführen und sich Künstler nur noch nach dauerhafter Annerkennung strecken, in der Hoffnung, dass dies das aktuelle Album  zum Erfolg führen wird oder die Karriere ein bisschen länger am Leben hält, der wird nur die Vertriebspartner und Absatzmärkte der Konzerne kurzfristig glücklich machen. Trends? Nein Trends setzen diese Künstler nicht mehr! Aber wer von ihnen will das auch schon.  Wenn ein neues ELO-Album ganze 33 Minuten Länge besitzt und der dumme Fan auch noch 17 Euro und mehr dafür bezahlen darf, ist das leider kein Mr. Blue Sky. Irgendwie beschleicht mich das Gefühl  bin ich mir sicher, dass all diese einstigen Heroen in ihrer Zeit stehen geblieben sind und sich damit auch sehr gut arrangiert haben.

Aber woran liegt es nun, dass man vergeblich nach Innovationen sucht und sie nicht findet? Sind wir zu sehr von unseren Erinnerungen und der Tatsache gefangen, dass Musik sich immer weniger nach Inhalten gestaltet, sondern nur noch produziert wird um stromlinienförmig vermarktet zu werden. Halten wir uns nicht zu sehr an den androiden Stromhalmen fest, die uns alle Jahre wieder ein wohliges Boing Bum Tschak zum Besten geben und an der Meinungs-Strategie, damals…ja damals da war elektronische Musik noch etwas anderes!

Es gibt diese Neue Musik auch heute noch, aber genau wie damals findet man sie eben nicht auf den Startseiten von Amazon und Itunes, sondern man muss danach suchen. Sie liegen weiter hinten oder unten, man findet sie nicht in der o2 Arena oder im Palladium, sondern auf den kleinen Events, fernab des Mainstreams. Früher, ja früher haben wir uns die Mühe gemacht danach zu suchen, aber heute sind wir eben geformt und gemütlich geworden und konsumieren dass, was den schnellsten Weg zu uns findet. So bekommen wir dann doch eben wieder Socken, eine CD oder eine DVD unserer Lieblingsserie (die wir schon In- und Auswendig kennen, alle Dialoge mitsprechen können und nur wegen der 8 Minuten Zusatzmaterials haben wollen) geschenkt. Und bloß keine Experimente beim Weihnachts-Braten…und wann kommt eigentlich gleich der kleine Lord? Nun...halt alle Jahre wieder…

Stefan Erbe

(Bild twinlili  / pixelio.de)

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