Kolumne

Nun ist auch die 2015er (2016) Schallwelle-Preisverleihung Geschichte. Selten zuvor hat sie soviele Diskussionen, (teils sehr polemische) Kritik und Meinungen aushalten müssen, wie in diesem Jahr. Sei es die Konstellation der Lokation, die Zusammenstellung der Jury oder des Wahlverfahrens, nahezu alle Punkte wurden mit Aussagen überhäuft, mit Spekulationen und Vermutungen in Frage gestellt. 

Dabei gilt eines festzuhalten; die grundsätzlichen Parameter haben sich zu den Vorjahren nicht geändert und hatten sich über die letzten Jahre eigentlich immer bewährt. Doch warum regt sich neuerdings soviel Wiederstand über das Ergebnis der Wahlen und warum formuliert sich die Kritik auch noch ungewöhnlich aggressiv und antipathisch?

Ein wesentliches Problem ist die Tatsache, dass die große Internetgemeinde in ihrer Abstimmung die Großen der Zunft zu wählen scheint und scheinbar auch die Jury in der Gunst der Auswahl, diesen Künstlern, zumindest ein Teil seiner Stimmen gegeben hat. Dazu muss man wissen, dass aus beiden Wahlen (Jury und Internet) der Sieger gekürt wird, in dem die Stimmen aus beiden Lagern addiert werden. Dies ergab immer eine sinnvolle Schnittmenge, die dafür Sorge trug,

dass es keine „Durchmärsche“ vereinzelter Stimmenaktivierungsweltmeister gab. Wenn Künstler A also bei der Internetfraktion sehr viele Stimmen bekommt, aber nur wenige von der Jury erhielt, so war ein Gewinn sehr schwierig bis kaum möglich. Das gleich gilt auch anders herum. Hat die Jury einen Favoriten, muss dieser auch einige Stimmen im Internet bekommen um zu siegen. Wenn nun aber auch die Jury aus Fans besteht, die gerne TD, Jarre und Konsorten hört, liegt es auf der Hand, dass die Wahl der Großen realistischer wird. Ist dies nun zu kritisieren? Ist es also an dieser Stelle der Jury verboten seinen persönlichen Geschmack zu bewerten? Hätte man in der Orga, es sogar verbieten müssen, damit man den Kritiker recht gibt um deren Wahl als Sieger zu verhindern? Wäre ein gute Platzierung eines TD-Albums dann also ausreichend gewesen und hätte man dafür sorgen müssen, dass eine „nicht  so bekannte Scheibe“ gewinnt?

Der Autor liest die letzten Zeilen nochmal wiederholend und fragt sich ernsthaft, ob dies alles wirklich jemand einfordern möchte?! Wäre es nicht genau diese Manipulation, die man immer wieder den Schallwende-Machern vorwirft? Nur um zwanghaft bestimmte Labels und Künstler zu fördern, werden die Modalitäten der Wahl solange zusammengeschoben, bis auch tatsächlich einer oben steht, der es „gefühlt“ verdient?!
Nein liebe EM-Gemeinde, der Zeichenersteller dieser Kolumne darf zu Recht behaupten, dass er ganz Nah am Geschehen ist und war, und die Zusammenhänge so gut kennt, dass er sagen kann, dass immer alles korrekt zugegangen ist. So auch in diesem Jahr. Das Problem scheint vielmehr darin zu stecken, dass im Besonderen diejenigen aufschreien, die bei den Wahlen keine Beachtung gefunden haben. Natürlich ist es traurig, wenn das eigene Schaffen nicht so wahrgenommen wurde, wie man es sich vorgestellt hatte. Die eigene Platte nicht den großen Erfolg brachte und andere Bands, im Besonderen die populären davon, in den meisten Disziplinen vorne sind.  Wahlen sind in diesem Fall auch ein Spiegelbild des wirtschaftlichen Erfolges eines Produktes/Branche.

Das was am Ende von der Kritik übrig bleibt, ist die Tatsache, dass einige mit der Kritik zu der eigenen Arbeit anfangen sollten, bevor sie das Ergebnis der Bewertung der großen Masse kritisieren. Denn es ist nicht das Ergebnis der Orga, sondern ein Ergebnis der Fans, dass sie kritisieren! Wenn meine Alben nicht die Akzeptanz genießen, ich meine Fans nicht mobilisieren kann oder die Jury vielleicht doch lieber etwas anderes hört, so findet es sich im Ergebnis genau so wieder, wie in diesem Jahr.

Dennoch gibt es Punkte, die sich die Schallwelle-Macher genauer anschauen werden müssen. Da sei zu überlegen, ob ein Lokationwechsel neuen Wind in die Veranstaltung bringen könnte. Das Ergebnis der Wahlen ist neutral und ohne Manipulation, keine Frage, aber welchen Nutzen bringt die Förderung einer Verleihung, wenn die Gewinner eigentlich keine Förderung benötigen? Müsste man die Kategorien auf den Prüfstand stellen und eventuell auch über eine Fachjury beraten, die nach anderen Gesichtspunkten wählt? Böte eine „nur Internetwahl“ nicht die größere Gefahr, dass auch nur „große“ Künstler gewählt werden? Welche Veränderungen sind überhaupt möglich?

In den Diskussionen habe ich leider kaum Vorschläge oder kreative Ideen gelesen, sondern vielmehr nur idiotische Kommentare von Leuten verfolgt, die, sofern sie doch Nominiert gewesen wären, sich direkt erstmal eine Karte besorgt hätten. Zumindest taten es einige von Ihnen, in den letzten Jahren.

Ich glaube, dass viele bisherigen Aspekte und Grundlagen über viele Jahre gut funktioniert haben und wenn man die polemischen Enttäuschungsdiskussionen unbeachtet lässt, die Schallwelle ein wichtiger Bestandteil der Musikszene geworden ist. Immerhin wurde sie von sehr vielen verschiedenen, kleinen und großen Musikern beachtet und besucht, als Preisträger oder Nominierter wieder verlassen oder von vielen Fans bereist.

Diejenigen, die sich in dieser Veranstaltung nicht (mehr) wiederfinden oder für sich behaupten es besser zu machen, sollten einfach eine weitere Preisverleihung ins Leben rufen und bereits schon in der Planung feststellen, wie undankbar schwer es ist, jedem Gerecht zu werden. Und von der Kritik, die danach dann kommt, wollen wir erst jetzt noch gar nicht sprechen.

Stefan Erbe

P.S. Wie alle Artikel in Empulsiv, so stellt auch dieser eine Diskussion/Meinungsfunktion zur Verfügung. Ich antworte auf alle Einträge, Versprochen!

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