Rezensionen

Mit den vorangegangenen Alben hatte Claudio Merlini bereits seine Welt der schönen und zugänglichen elektronischen Musik dargelegt. Mit Forever Changes macht er aber einen größeren Schritt in Richtung eindrucksvoller und cineastisch angehauchter Komposition. Auch wenn mich einige Fragmente an Künstler wie Quiet Force oder Tangerine Dream, aber auch an moderne Filmkompositionen erinnern, so bewahrt Claudio durchweg seine Eigenständigkeit. Mit gutem Gefühl für Harmonien und leichtfüßigen Melodien versetzen einen die Stücke in unterschiedliche Gefühlsszenarien, mal eher spannungsgeladen, mal völlig entspannend. Forever Changes ist ein abwechslungsreiches Album, das mir eine angenehme Stunde Hörfreude geboten hat.

Bezugsquelle: AD music

Stefan Schulz

schröder chill2Lässig abhängen, Seele baumeln lassen und gemütlich einen Longdrink schlürfen...ok, und Club Chill 2 hören. So würde es wohl der Komponist selbst beschreiben. Wir wollen und können das nicht verneinen, ergänzen aber gerne, dass EM-Grenzgänger wohl den meisten Spass am aktuellen Album des Aacheners haben werden. Seine 10 Stücke behalten trotz Chill-Betitelung eine gewisse Nähe zu den anderen Schröder-Alben und führen somit nicht zu weit aus seiner EM-Umgebung heraus. Durchaus Kurzweilig und hochprozentig. Strohalm braucht es nicht. www.news-music.de

Stefan Erbe 

Trentemoller - Lost (cover)Nein, dass aktuelle Album von Anders T. reicht nicht, um den finalen Sprung von der Lieblingsbrücke zu rechtfertigen. Auch wenn es gelegentlich wieder sehr nach Endzeit und Weltuntergang schimmert, Trentmøller zeigt sich eher retrospektiv als auch optimistisch in der tonalen Verbindung. Seine Gastsänger versprühen eine Farbenpracht, die bunter bisher nicht zu hören war, zeitweilig sogar an den jungen Thomas Dolby erinnert und damit „Lost“ in den Top Ten-Olymp der 2013er Hitliste stellt. Somit muss dann doch ein vergilbtes Bildchen des verstorbenen Lieblingshaustieres oder ein zerknüllter Liebesbrief als Motivation für den kommenden Suizid herhalten. Bravo Trentemøller, viele Leben gerettet!

Stefan Erbe

I Break Horses - ChiaroscuroLiebe Kinder, Heranwachsende und After-Milleniumsgeborene, wenn ihr wissen wollt, was eure Erziehungsberechtigten früher mal toll fanden, so braucht es keinen der komischen Plattenautomaten die im Keller eingelagert sind. Beschafft euch einfach das aktuelle Album des schwedischen Duos „I break horses“. Scheinbar haben Maria Linden und Fredrik Balck ebenfalls in Vergangenheit geschwelgt und alte Scheiben vom New-Musik-Macher Tony Mansfield inhaliert, denn woher sonst stammen die Einflüsse, die so exakt nach 80er Drummachine meets Analog-Synths klingen? Selbst die markante Akkordsentimentalität der 9 Nummern sinniert in der gleichen Machart und lässt uns beinahe einen Gedanken daran verlieren, selbst mal wieder ins Untergeschoß zu gehen, um ein paar 33er Umdrehungen in Gang zu setzen. 

Stefan Erbe

moonbooter - Still AliveMusikalische Grenzgänger wie Bernd Moonbooter Scholl stehen schon seit einer geraumen Zeit für die gelungene Weiterführung der traditionellen Urväter-Musik aus den 70er und 80er. Auch auf seinem neuen musikalischen Lebenszeichen vermengt der Eifeler das was sich viele Elektro-Fans wünschen, erstklassiger Sound verbunden mit intelligenten Riffs, retrointensive Elemente mit modernen Drums, immer kurzweilig, aber nie anspruchslos. Dass es allerdings immer noch nicht alle potentiellen Konsumenten mitbekommen haben, liegt sicher nicht am Künstler, denn der offeriert über sein Hauseigenes Mellowjet-Label schon über viele Jahre außergewöhnlich gute Releases. Besser mal reinhören! www.moonbooter.de

S
tefan Erbe

fairy smallSicherlich wird Max "Maxxess" Schiefeles aktuelles Album eine gewichtige Rolle in der 2014er Jahres-Rückschau einnehmen, denn der Zupfer aus dem Süden, verzückt mit Green Fairy wahrhaftig nicht nur seine bisherigen Fans. Selten passten Synths und Gitarre so perfekt zueinander und erinnern den Rezenseur in den 7 Tracks oft an die guten alten Saga-Zeiten. Tolle Ideen, verpackt in diverse Spannungsbögen, hätten durchaus auch noch mehr Stücke ergeben können. Max bevorzugt aber lieber die Verbindung der Elemente und macht daraus XXL-Songs, die somit einfach etwas längere Geschichten erzählen. Gut so, denn die Kompositionen manifestieren sich zumeist nach einigen Minuten und verlangen dabei eine gewisse Zeit um komplett ausgespielt zu werden. Ein einziger Kritikpunkt (wenn man es überhaupt kritisieren darf), das Cover mag irgendwie nicht so richtig zur Musik passen und könnte vielleicht potentielle Käufer abhalten, mal genauer rein zu hören. Das wäre wirklich ein großer Fehler, denn wir finden, besser gehts nimmer!  www.maxxess.de

Stefan Erbe

illl-AlteredStatesOfMindDer slowakische Künstler und Labelbetreiber von Soun Records mit Namen Illl hat sich mit Altered States of Mind eine außerordentliche Veröffentlichung gegönnt. Das fast einstündige Werk besteht aus den acht Tracks Unknown 1 bis Unknown 8 und wird mit zwei Remixes vom Elektronik-Künstler Weldroid komplettiert. Der Stil der Stücke variiert leicht zwischen klassisch grundierter und ambient harmonisierter Musik mit gelegentlichen EInwürfen melodiöser Passagen. Dabei treibt er jedoch nicht in reine Wohlgefälligkeit ab, sondern garniert leichtfüßige Flächen mit kratzigen Elementen sowie Disharmonien und bringt so die richtige Würze in die Stücke. Eine Ausnahme bildet Teil 6, das mit einem langsamen aber anhaltenden Rhythmus daherkommt und auch sonst ein wenig garstiger ist. Die Zusatztitel sind unverkennbar von Weldroid, mit 90er Jahre Computerspieleklänge, eingängigen Drums und eigenwilliger Percussion. Altered States of Mind ist in meinen Augen ein sehr vielschichiges Album für erweitertes Kopfkino. Das Ganze kann man bei Bandcamp herunterladen, zum Preis nach Gefallen.

Bezug: http://section27.bandcamp.com/album/altered-states-of-mind

Stefan Schulz

Im Frühling war er auf Tour mit The Crimson ProjeKct und nutzte die Zeit vor dem eigentlichen Auftritt, um das Publikum mit Live-Improvisation in die richtige Stimmung zu bringen. In letzter Konsequenz füllte er damit die Rolle Robert Fripps in Gänze aus, nicht nur beim Auftritt der Gruppe, sondern auch als Einspieler Drone-artiger Gebilde im Vorfeld. Natürlich in seinem ganz eigenen Stil mit Touch-Gitarre. Dreizehn dieser Eröffnungsstücke hat er nun mit Sultry Kissing Lounge auf ein Album gebannt. Größtenteils ambiente Stücke, die sich über 5 bis 10 Minuten erstrecken und jeweils eigenständige Atmosphären aufbauen, benannt mit 13 Frauennamen und eines so verzückend wie das andere. Hier gehen weiche Klangstrukturen in härtere Gitarrenflächen spielerisch in einander über und ziehen den Hörer mitten in die Musik hinein. Jeder der Tracks verleitet zu einem Kopfkino abstrakterer Art und scheint mit den Gedanken des Publikums zu spielen. Definitiv hörenswert.

Bezug: http://www.iapetus-media.com/markus-reuter-sultry-kissing-lounge/

Stefan Schulz