Kolumne

Nun, das Jahr ist zwar noch nicht ganz vorbei, aber irgendwie beschleicht den Autor den dringenden Drang nach einer EMschen Jahresrückbetrachtung und einer erneuten Wasserstandsanalyse. Allerdings werfen wir weniger einen besonderen Blick auf die einzelnen Produktionsergbenisse, sondern vielmehr auf die Entwicklung der gesamten Szene. Dabei mag man bereits schon jetzt vermelden, es wird weniger "gezankt und gezickt", es gibt kaum noch Grabenkämpfe und Boykottaktionen und auf allen Veranstaltungen wird ein freundlicher Umgang gepflegt, der zeitweilig in Atmosphären wandelt, die man aus frühen KLEM-Dag-Zeiten kannte.

13 Grad und Regen? Was eine Katastrophe! Ich gestehe, dass wenn man am 12 Juli die Heizung wieder anmachen muss, stimmt irgendwas nicht. Oder ist es gar die aktuell fehlende und massive alljährliche Distribution Carellscher Ausrufe, die nach "dem richtigen Sommer fragt"? Haben wir doch die falschen Tänze getanzt? Kommt gar die nächste Eiszeit? Zumindest kommt auch der mobile Eiszeitbringer, meinte den portablen Italiener aus der städtischen Eisdiele nicht, der in Wirklichkeit sowieso auf der anderen Adria-Seite geboren wurde. Sein Geklingel würde eh keine einmeterzwanzig-Kundschaft mehr aus den Häuserblöcken locken. Ist wohl einfach zu Kalt und auch deshalb nicht lohnend, weil man für eine Waffel mit Nusseis bereits beim Discounter eine Wochenration "Fürst Pückler" erstehen kann. Kann man nicht vergleichen ? Stimmt! Das kann man deshalb nicht vergleichen, denn die zugehörige Portion Salmonellen in der Sahne ist nur beim traditionellen "Gelato-Mafiosi" zu bekommen und auch das sterile Milcheis vom Discounter, kann einfach das zahnlose Lächeln des Südländers nicht ersetzen...

Als "redaktionierender" Kolumnist hat man natürlich auch die Aufgabe vielfältige und erkennbare Misstände zu recherchieren und aufzudecken. Nicht nur wenn es um kontroverse Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten in der synthetischen Welt geht bin ich immer ganz vorn mit dabei, sondern auch wenn es in der normalen Welt um Unrechtsbekundungen und Sachverhalte geht schaut der Schreiberling schon mal genauer hin und versucht eine praktikable Essenz, auch für uns Musikschaffende daraus abzuleiten. Gerade die EM-Szene scheint ja in der weltweiten musikalischen Nahrungskette immer noch "Einzellerstatus" zu besitzen und kann immer mal wieder funktionierende (über)Lebensweisheiten gebrauchen. Betrachten wir dazu mal ein paar Grenzgebiete in der Musikwelt.

Es sei das  Beispiel des Plattenauflegers genannt. Welches wahrhaftiges Können wohl erforderlich ist , eine Ansammlung von Tracks hintereinander zu stellen, diese fehlerfrei auf einem Abspielgerät seiner Wahl zu starten, die geeignete Lautstärke einzustellen und ca. 173 Minuten im Takt der Musik mitzuschwingen bzw. zu headbangen. Dazu diverse "chicas" auf der Bühne in den Armen halten, sich Kaltgetränke reichen lassen und mit dem einklappbaren Kopfhörer nur auf einer Ohrseite hängend , den Schieberegler des nicht benutzen Kanals dabei auf- und abzuschieben. Dies nennt sich "Dischäiing". Eine Tätigkeit die sich mir in der eigentlichen Leistung noch nicht erschlossen hat. Gerade dann wenn tausende von Jünger ins Wochenende starten, um den großen coolen Plattenteller-Leger zuzujubeln, schleicht sich bei mir der Monty Phytonsche Begriff " Folgt der Flasche" in die Hirnrinde meines Kopfes.

Würden wir diese speziellen Fähigkeiten auf das normale Leben anwenden, ergäben sich womöglich neue Künstlerberufe. Zum Beispiel im Einzelhandel brächte eine logistische Anwendungen des Dischäings ungeahnte Möglichkeiten. Betrachten wir den Einzelhandelsfachverkäufer wie er die Produkte in die Regale einsortiert, so ließe sich doch eine Adaption der Leistung durchaus ableiten. Man müsste dies nur auf eine etwas künstlerische Form tun, indem man eben wie beim Dischäing, den Ablauf "hyped" und eine Art Zusatzleistung herumstellt.
Während nun die weibliche Azubis in kurzen und bunten Kitteloutfits um den kistendrehenden Probanten tanzen, während dieser Maggi und Nestle Produkte in einer unnachahmlichen Art aus den Kartons zieht, drehend und in den Knien wippend, sie sauber aufstapelt, dazu die Klebefolie immer wieder im gleichsamen Rhythmus auf- und abgezogen wird, sodass die arbeitslose und einkauswagenschiebende Menge bedingungslos tobt und die Öffnung weiterer Verpackungseinheiten einfordert. Jetzt noch alles ins richtige Licht gerückt und vom Marktleiter ordentlich anmoderiert, könnte ein neuer Hype geboren sein. Wichtig ist aber immer, dass eine künstliche Form der "Verarsche" die Konsumenten davon überzeugt, dass es ab heute gerecht ist alle Preise im Supermarkt um 10 Prozent anzuheben, da das neue Erlebnis-Shopping nun von unglaublichen RE-Jays (Regaleinräumern) präsentiert wird. Sie verstehen halt in Handwerk. Nein, da werden nicht einfach Kisten geöffnet und unstrukturiert regalisiert, es muss ja auch die richtigen Reihenfolge besitzen, Warenübergänge in den Fächern müssen sauber vermischt werden und das sprachliche Auffordern des Publikums mit Megafonartiger Lautstärke "seid ihr alle noch da?" und "ich will Eure Hände sehn" bringt noch den netten Nebeneffekt der Ladendiebstahlkontrolle mit sich.

Nun, verlassen wir wieder die Traumwelt der ALDI- und Lidl-Regal-Einräumer und schauen nochmal in die Clubs, Bars und Diskotheken, in der wir die wahren Künstler finden die Abend für Abend etwas leisten, was sich kaum einer vorstellen kann. Musik auszuwählen und dabei Cool auszusehen! Ich habe es nie so richtig verstanden, worin da die Leistung liegt. Was macht die Aufgabe so selektiv, so dass es nur ein paar wenige können? Was sind das für Übermenschen die es schaffen Low-Cut von High-Cut an einem Digitalpult zu unterscheiden und sich in jahrelanger Akribie die Fähigkeit des Cueing einverleibt haben? Ist es eine Form der Religion, die es uns Sterbliche unmögliche macht, eine Auswahl diverser Stücke auszuwählen, die eine Sinnhaftigkeit in der Abfolge ergeben?

Auch mit der Gefahr, dass sich der Autor auf keiner Plattenauflegveranstaltung mehr gefahrlos umhertreiben kann, aber ich sehe keine besondere Leistung in diesem Handwerk und verlange ab sofort, dass auf den kommenden EM-Veranstaltung nun ähnliche Szenarien abgehen sollten. Öffnet und schmeißt also mehr Textilien, äußert Nachwuchswünsche vom Konzertgebenden und konsumiert ekstatisch die 16tel Sequenzen. Auch wenn sich der Künstler scheinbar hinter seinem Equipment versteckt hat und noch nichts von dem neuerlichen Trubel in den 2 Konzertreihen mitbekommen hat...bitte nicht aufgeben!  


    

Geht es Ihnen auch manchmal so? Man sitzt im Auto ist einfach nur genervt! Über Menschen vor Ihnen die mit 26,94 Kilometer auf 50 KM/H Strecken fahren oder rechts blinken und links fahren, oder blinken und gar nicht fahren...Ich weiß, besser nicht Aufregen ist die beste Option, aber manchmal laufen so viele genervte Strombahnen in meinen Synapsen zusammen, dass mein Vakuum einfach damit überfordert ist. Zusätzlich klappert dann auch noch mein Sitz, das Armaturenbrett quietscht obwohl mein Auto schon dreimal deswegen in der Werkstatt war und meine 6 Favoritentasten des Radios bringen ständig nur ganztägigen Müll hervor. Das was dabei aber am meisten nervt ist "das Beste aus den 80er, 90er und das beste von Heute". Eigentlich sollte es doch wohl heißen, "die einzigen Platten die wir hier im Studio noch haben, hat unser Praktikant in den letzten Monaten auf dem Trödelmarkt zusammengeschnorrt und wir spielen sie, bis alle Hörer auch wirklich weichgespült sind"!

Liebe Radiomacher, was habt ihr euch dabei gedacht. Ich mag keinen "Safety Dance", keine Whitney Houston-Songs und auch kein wiederholtes Roxette-Geklimper. Wer hatte bloß diese Idee und was tun sie den Redakteuren morgends in den Kaffee, so dass die den ganzen "Sch..s" auch immer und immer wieder spielen?

Jaja...ich weiss, es ist Zielgruppenorientiertes Radio. Geschicktes "hervorkramen" von alten Zeiten des wieder Jung-Seins, indem man die niederen Instinkte des Relativieren von Jugendzeiten und Pubertät provoziert. Man vermutet also tatsächlich , dass alle Mittdreissiger und Vierziger dieser Welt einträchtig vor dem Radio hocken und sich beim Lokalradio-Konsumieren an alte Schulzeiten und Partys erinnern, im wohligen Zustand sich an den ersten "petingierenden" Körperflüssigkeitsaustauschpartner schwelgend zu entsinnen und den weiteren Tag mit der Recherche in Stayfriends und Facebook zu verschwenden, um dort ehemals vergötterte Jugendlieben wiederzufinden.

"Klaaaaus,....Edgaaaaar, packt eure Sachen zusammen, wir gehen nach Hause"! Ich gestehe, ich war doch ziemlich verdutzt. Wer nennt denn seine Kinder heute noch Klaus und Edgar? Die dunkelhaarige Mittvierzigerin winkte ihren beiden Kindern heftig zu und wiederholte ihren Aufruf nochmal deutlich, aber dieses mal um eine ganze Oktave erhöht. "Klaaaaus...Edgaaaaar....jeeeetzt!"

Wenn jetzt noch ein weiteres Kind hinter einem Baum hervolugte was auf den Namen "Jean-Michel" hören würde, könnte man treffsicher den musikalischen Geschmack der Eltern ableiten. Ich verweilte einen Moment um sicherzustellen, dass ich diesen Wunschgedanken ja nicht verpassen würde, wenn sie nach einem weiteren "Balg" mit französischen Namen rufen sollte und schaute unentwegt über die große Wiese, auf denen unzählige Kinder herumrannten, spielten und tobten. Die beiden auserwählten Kinder schälten sich aus einem Wust an Armen und Beinen, die zu einem Pulk von Heranwachsender gehörten, welche auf einem Klettergerüst jeden freien Zentimeter verrosteten Metalls umschlangen und Sinnfrei über das Hindernis herumkletterten.

Wieder schossen beide Namen über den Spielplatz und ich analysierte die Quelle des Aufrufes nochmal genauer. Hielt sie vielleicht noch ein weiteres Kind an der Hand? Stand vielleicht noch ein Kinderwagen in der Nähe, indem noch ein weiterer Textilvernichter verweilte, der meiner Namensvorstellung entsprach? Vielleicht wenigstens ein Hund, der gerade noch eine Sandschaufel zerlegte oder einem Hasen hinterherjagte? Wenigstens ein tierischer Jean-Michel vielleicht oder ein Kitaro oder ein Gandalf? Nichts davon!

"Echt harte Kost", dachte ich so für mich. Schon seit sechseinhalb Minuten nur eine Fläche mit einem schrägen FX-Sound im Hintergrund. "Echt Ambient, aber auch echt langweilig", grummelte ich so vor mich hin. Vielleicht war ich aber auch nicht in Stimmung mir diesen eintausenddreihunderundtachtzig Sekundenlangen Tastenklemmer anzutun, denn auch weitere 6 Minuten später, schaute ich sicherheitshalber nochmal auf den CD-Player um sicher zugehen, dass der Silberling keinen Zeitsprung zurück nach 6 Minuten 30 gemacht hatte.

"Wo war nur diese verdammte Fernbedienung"! Ich kramte in den Schubladen, schaute in den Regalen zwischen CDs, Anleitungen und Netzteilen. Selbst im Papierkorb hätte sie liegen können, war es doch hier noch am aufgeräumtesten.

Oha, eine weitere Spur gesellte sich in den Song. Nennen wir es mal ein "drumorientes" Klickern was sich zu den beiden anderen Langweilern hinzu tat. Irgendwie doch ziemlich Gruselig. Wollte ich das weiterhören? Nein! Also musste ich nun doch aufstehen und den CD-Player tatsächlich manuell bedienen. Welch eine Kraftverschwendung, auch wenn diese Aktion nur eine Handvoll Kilojoule benötigte. Ein paar mehr Kilobyte an Ideen hätte man dem Hersteller des Tonträgers gewünscht, der sich tatsächlich nun aufmachte in den zweiten Track zu wechseln.

Schon als kleine Kinder musste man sich entscheiden, entweder man war Cowboy oder Indianer. Entweder "Polyester-Hut" oder "Plastik-Feder", beides war unmöglich. Schon immer galt es, entweder Zelt oder Saloon. Winnetou und Old Shatterhand in einer Gruppe, einfach unmöglich. Moralisch gesehen, war es uns Kinder sowieso egal, ob wir jemanden skalpierten oder mit der Kutsche 3 Squaws entführten. Hauptsache schlammwülend und mit großem Bohei, der Nachbarschaft auf den Senkel fallen und immer in der freien Natur um das heroische Recht des Stärkeren kämpfend. Egal ob es regnete, schneite oder jemand "Miracoli" schrie, erst wenn der letzte Meter Grund und Boden verteidigt war und die Dunkelheit einbrach, ging es an die Stillung der niedrigen Grundinstikte oder an die Hausaufgaben für den nächsten Tag.

Computer, Spielekonsolen und schnurlose Telefone gabs nicht. Der erste C64 (bei mir war es sogar noch ein VC20) löste auch noch keine Computerabhängigkeit aus, die uns möglicherweise davon abhalten konnte, bereits nach der Schule wieder in "Pisspotscher Manier" die Manschaftsaufstellung festzulegen, um diesmal nicht als Cowboys und Indianer aufzulaufen, sondern als Müller, Beckenbauer und co. vor den Medizinballähnlichen Lederklops zu treten. Auch hier konnte erst das fehlende Flutlicht und die Erinnerung an die gestrigen Standpauke des Zuspätkommens dafür sorgen, dass man nach ungezählten Stunden und mit einem Ergebnis von 86 zu 79 nun endlich nach Hause musste.

bvb.jpg - 8.26 KbSo? Sie interessieren sich gar nicht für Fussball? Das gibt es doch gar nicht, jeder interessiert sich für Fußball! Aber spätestens dann, wenn der Kolumnist in den nächsten paar Minuten mal wieder praktische Lebensansätze in die heimische Musikwelt portieren möchte. Denn neben den beiden Ausnahmevereinigungen von teuer erkaufter Bajovarischer Spitzenmannschaft und Schwarz Gelbem Kinder-Dauer-Renn-Rudel, so scheint es auch in der musikmachenden Welt zwei konkurierende Religionen zu geben, die immer wieder um die Weltherrschaft der Musikproduktionen streiten.

Hardware gegen Software!

Auf der einen Seite, eine sündhaft teure Menge externer stromgeladener Workstations, Modularsysteme und kiloschwere Analog-Schiffe, amperpumpend und in megawatt-stöhnend, posend übereinandergestapelt, arrogant klingend und mit unendlichen Potis, Fadern und LEDs bestückt, um auf den Championsligen der europäischen Bühnen mit ihrer Routine zu überzeugen. Auf der anderen Seite, der auf Effektivität ausgelegte Jugendwahn, mit softwaregestützter Prozessorberechnungen virtueller Tools, die kostenreduziert und progressiv, um nur mit kleiner Tastatur und Monitor, nahezu alles und jeden zu simulieren oder noch besser zu klingen als das Orginal.