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Stefan Erbe - Metamorphosys

 Stefan Erbe - Metamorphosys

Zwei Jahre hat Stefan Erbe vergehen lassen, um der Geschichte um die künstliche Intelligenz GENE ein neues Kapitel hinzuzufügen.  Und so wie es immer bei seinen Projekten ist: Man erkennt 'Metamorphosys' gleich bei den ersten Takten als Erbe-Album, und doch ist wieder vieles ganz anders als bei dem 2023er-Vorgänger.

Wer eine Fortsetzung der Geschichte um GENE erwartet, wie sie einen mit künstlichen Lebensformen beladenen Raumfrachter steuert und eine Entscheidung treffen muss, bekommt diesen Wunsch auf 'Metamorphosys' nicht erfüllt. Das Album kommt im Gegensatz zu 'Genesys 2023' ohne Dialoge und eine explizite Story aus, und ist wieder ein reines Instrumental- und Musik-Album. Das läßt mehr Raum für verschiedene Interpretationen. Der Begleittext und die Titel geben aber einen Hinweis: Es geht um das Streben nach Perfektion, beziehungsweise die Imperfektion, mit der man leben muß. Viele von uns streben auf irgendeinem Gebiet nach Perfektion, und hadern damit, sie nie zu erreichen. Aber wann ist eigentlich etwas 'perfekt'? Und wenn ein künstliches Wesen sich seiner selbst bewußt wäre, in welcher Hinsicht würde es sich als 'unvollständig' betrachten?

Das sind Fragen, auf die es keine einfachen und eindeutigen Antworten gibt.  Aber das Reflektieren darüber kann dabei helfen, sich über den eigenen Weg bewusst zu werden. Und wie könnte man sich besser dafür in Stimmung versetzen, als mit einem neuen Erbe-Album wie diesem? Dessen zwölf Tracks präsentieren wieder eine gelungene und runde Mischung aus bekannten und bisher noch nicht gehörten Sounds.  Um noch einmal den Vergleich zu 'Genesys 2023' zu ziehen: Tempo und Stimmung sind dabei etwas durchgängiger und wechseln weniger sprunghaft, auch weil kein Raum für die Dialoge gelassen werden muß.

So ein kontinuierlicher Flow ist genau das, was man braucht, wenn man den eigenen Gedanken nachgehen möchte. Wie immer, lässt Stefan Erbe auch die Option zu, das Album einfach nur zu genießen und für eine gute Stunde den Kopf frei zu bekommen. Der Spannungsbogen trägt über dessen ganze Spieldauer, so dass die Lust an der Rezeption bis zum letzten Track erhalten bleibt. Und just in diesem wird Stefan Erbe so orchestral und filmisch, wie ich ihm bisher noch nie erlebt habe. Auch wenn 'Metamorphosys' formal aus einzelnen Tracks besteht: Es wäre eine Sünde, es im Shuffle-Modus zu hören.

So hat sich Stefan Erbe auf seinem neuesten Album wieder einmal neu erfunden und ist sich doch gleichzeitig treu geblieben: Ideen und Konzepte werden dem Hörer nahe gebracht, aber die Denkanstöße drängen sich auch nicht auf. Man darf auch gerne einfach mal nur genießen und schwelgen. Und was die Perfektion angeht: Das ist ja eigentlich ein Ziel, das man hoffentlich nie erreicht. Denn dann wäre ja auch das Ende erreicht, und es wäre nichts mehr hinzu zu fügen.  Wir wünschen Stefan von dieser Stelle, dass ihm die Ideen dafür auch in Zukunft nicht ausgehen!

https://erbemusic.com/

https://stefanerbe.bandcamp.com/

Alfred Arnold

 

Über Empulsiv

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